Fähre mit dem Motorrad

Nicht jeder ist ein Dylan Samarawickrama, der mit dem eigenen Motorrad übers Wasser fährt. Doch hin und wieder ist der Weg über das Wasser einfach der bequemste und auch schnellste Weg um von A nach B zu kommen.

Fähre mit dem Motorrad

In diesem Fall fährt man auf eine Fähre und lässt sich für einmal fahren. In den letzten Jahren ist auch bei mir die eine oder andere Fährüberfahrt dazu gekommen und so langsam gibt es Routine im ganzen Ablauf.

bevor es zum Hafen geht

Bevor man nun zum Hafen fährt, kann man einige Punkte bereits vorbereiten um es dann später, leichter zu haben. In der Regel hat man die Fahrt im Voraus gebucht und somit auch ein Ticket zugeschickt bekommen. Ich habe diese Tickets jeweils in einer A5 Grossen Sichtmappe in meinem Tankrucksack. So gefaltet dass ich aussen die Rückseite des Tickets habe, darauf schreibe ich dann Gross, um was für ein Ticket es sich handelt, so kann ich auf dem Motorrad leicht erkennen, welches Ticket ich in der Hand habe. Gerade wenn man mehrere Fähren für eine Tour gebucht hat, hat man so mehr Überblick über die Dokumente.
Zudem habe ich die Kleider und Gegenstände die ich auf dem Schiff mitnehmen will, in der Regel entweder in einer Tasche bereits griffbereit oder sogar im Rucksack dabei. Dann muss ich auf dem Schiff nur das Gepäck und den Tankrucksack mitnehmen und hab (meistens doch nicht) alles dabei.
Zusätzlich habe ich noch ein Spannset griffbereit. Es kann immer mal vorkommen dass einem das Material welches einem zu Verfügung gestellt wird nicht ganz zusagt und man dann doch lieber das eigene Material verwendet.

Fähre mit dem Motorrad

Nur mit Seil gesichert

Im Hafen

Der Ablauf ist je nach Hafen nicht immer gleich, in den Grundzügen funktioniert es aber meistens ähnlich. Man fährt zum Check-In vor und gibt das Ticket und den Reisepass ab. Für das Motorrad gibt eine Markierung zum Zielhafen und pro Person ein Ticket für die Überfahrt. Man fährt weiter in einen Warteraum und irgend wann winkt dann ein Hafenarbeiter und schickt einen auf das Schiff.

Soweit zum groben Ablauf. Jetzt kann das je nach Hafen etwas unterschiedlich ablaufen. Zum Beispiel mit der Markierung zum Zielhafen. Ich hab schon Zettel erhalten die ich gut sichtbar am Motorrad befestigen sollte, Aufkleber die einfach auf die Windschutzscheibe geklebt werden (gehen in der Regel gut wieder ab) und sogar so eine Art Papierfähnchen die man sich einfach an einen Rückspiegel hängt, erhalten. In de grösseren Häfen gibt es meist mehrere Verbindungen. Das heisst, je nach Zielhafen gibt es einen eigenen Wartebereich. Dann wird man in der Regel beim Check-In nur in die grobe Richtung geschickt, z.B. fahre zu Pier 4, folge der blauen Linie oder fahre zu Warteplatz 4. Vor Ort angekommen steht dann meist wieder ein Mitarbeiter und verteilt die ankommenden Fahrzeuge auf die einzelnen Wartelinien.
In kleineren Häfen mit meist auch nur einer Fährverbindung wird man direkt in die entsprechende Wartelinie geschickt.

Wie die Zuteilung zu den Wartelinien funktioniert ist immer etwas unterschiedlich. Meistens werden alle Motorräder in einer Wartelinie abgestellt.
Eine weitere Art der Aufteilung ist dass jeweils die Motorräder in eine noch freie Wartelinie geschickt werden. Stehen dann in der Linie einige Motorräder kommen dann PKWs dahinter und die nächsten Motorräder die ankommen, werden in eine neue noch freie Linie geschickt. Das hat wohl den Vorteil dass nicht alle Motorräder auf einmal zum Schiff fahren sondern nur jeweils Linie um Linie. Die folgenden PKWs werden gestoppt und müssen warten bis alle Motorräder auf dem Schiff sind.

Linie 26 bei ColorLine Oslo

Linie 26 bei ColorLine Oslo

Lieber zu früh, als dass man dem Schiff nachschaut für welches man eine Überfahrt gebucht hat. Das bedeutet in der Regel auch, dass man etwas Warten muss bis man aus dem Wartebereich auf das Schiff fahren kann. Irgend wann geht dann das Tor auf und die ersten Fahrzeuge werden zum Schiff geschickt. Das geschieht in der Regel durch einen Mitarbeiter der die einzelnen Linien los schickt. Hier gleich ein Tipp, lasst euch nicht von der Hektik der Hafenarbeiter oder anderen Motorradfahrern anstecken. Auf dem Hafengelände ist einiges los. Zudem bekommt man als Erster nicht unbedingt den besten Platz auf dem Schiff. In der Regel ist man so nur der Hinterste auf dem Motorradparkdeck.
Die besten Plätze hatte ich bisher jeweils bekommen wenn ich als eines der letzten Motorräder auf das Schiff gefahren bin. Denn die Motorräder vor mir waren noch mit Rangieren beschäftigt und so wurde ich jeweils kurzerhand weiter geschickt und konnte mein Motorrad in einer eigenen Nische fest machen, bzw. wurde schon so abgestellt das ich direkt neben der Türe zum Passagierdeck parkieren durfte.

Auf dem Schiff

Wann genau man als Motorradfahrer auf das Schiff fahren darf ist unterschiedlich. Es ist möglich dass man gleich als Erstes auf das Schiff fahren kann, erst ganz am Ende wenn alle anderen schon an Bord sind oder aber auch irgendwann dazwischen. Aber auch hier zählt, lasst euch nicht Stressen. Der Schiffsboden ist meistens rutschig und auch wenn der Mitarbeiter gerne hätte das man zügig weiterfährt, achtet auf den Boden um auf keinen der Ösen, die zur Frachtsicherung dienen, zu fahren. Bei Rampen sollte man darauf achten, sie in einem Zug zu befahren und nicht dazu gezwungen wird, mitten auf der Rampe anhalten zu müssen. Dann lieber warten bis das Fahrzeug vor einem von der Rampe weg ist. Zudem sollte man nicht vergessen, gerade Lastwagen brauchen hin und wieder Platz zum rangieren und haben aus der Fahrerkabine nur ein eingeschränktes Blickfeld. Schnell ist ein Motorrad übersehen das zufällig gerade rechts oder links vorbei fährt.

Sichern des Motorrades

Hat man den Standplatz erhalten muss das Motorrad gesichert werden. Inzwischen kümmere ich mich meistens selbst darum. Einerseits weiss ich so dass mein Motorrad anständig befestigt wird ohne etwas zu beschädigen, zum anderen achte ich aber auch darauf, wie die Motorräder um mich herum gesichert werden. Es nützt alles nichts wenn das eigene Fahrzeug sicher steht und dann der Nachbar auf einen drauf fällt.

Ich kann hier nur beschreiben, wie ich es jeweils mache. Das heisst allerdings nicht dass diese Lösung perfekt ist.
Wenn möglich versuche ich mein Motorrad auf der linken Seite an eine Wand zu stellen. Der erste Gang bleibt drin. Abgestellt auf den Seitenständer ziehe ich das Spannset unter dem Sitz durch eine Lücke in meinem Rahmen. Somit drückt das Spannset nicht auf meinen Sattel, sondern hält direkt den Rahmen. Je nach erwartetem Wetter ziehe ich noch den Bremsgriff und fixiere ihn mit einem Klettband.
Kann man das Spannset nicht irgendwo durch den Rahmen ziehen bleibt meistens nur übrig, den Spanngurt über den Sitz zu legen. Dann sollte man einen Schutz auf den Sitz legen. Dazu eigenen sich sowohl Handschuhe wie auch Sturmhauben ganz gut.

Mitten auf dem Lastwagendeck steht ein einsames Motorrad

Mitten auf dem Lastwagendeck steht ein einsames Motorrad

Bevor man jetzt los stürmt und sich an Bord seine Kabine bzw. sein Nachtlager aufschlägt, sollte man sich erst noch einprägen wo das eigene Motorrad steht. In der Regel sind die Türen zum Parkdeck beschriftet. Merkt euch Decknummer und Türe oder schreibt es euch auf das Ticket auf. Zudem ist es sinnvoll sich zu merken wo man auf dem Passagierdeck aus dem Treppenhaus / Lift kommt. Es ist oft einfacher auf dem Passagierdeck zum entsprechenden Zugang zu laufen und dann da nach unten zu gehen als wenn man schon auf dem Parkdeck ist und dann da noch zu seiner Türe laufen muss.

Kabine oder freie Übernachtung

Bei längeren Strecken fährt man oft in der Nacht. Dabei gibt es Verbindungen bei denen man eine Kabine buchen muss oder man kann sich irgendwo zum schlafen niederlassen. Bisher habe ich immer eine Kabine gebucht. So habe ich einen Platz für meine Sachen und kann mich auch anders anziehen. Den Schlüssel zur eigenen Kabine erhält man entweder bereits beim Check-In an Land oder auf dem Schiff an der Rezeption. Spätestens am Check-In bekommt man aber diese Information.
Die Kabinen sind in der Regel Zweckmässig ausgerüstet. Bett, Nasszelle und je nach dem ein Fernseher ist alles was man findet. Die günstigen Kabinen liefen innen ohne Fenster. Wer gleich nach dem Aufstehen wissen will, wie das Wetter wird, bucht sich eine Kabine mit Fenster. Die Kosten zwar etwas mehr, man hat so aber seinen eigenen Ausblick auf das Meer.
Günstiger geht es natürlich wenn man sich irgendwo auf dem Schiff eine ruhige Ecke sucht und dort schläft. Bei gutem Wetter ist das Sonnendeck, sofern vorhanden, sehr beliebt, da gibt es meistens auch Ligen auf denen man schlafen kann.

Zeitvertreib auf dem Schiff

Langweilig wird auch so eine Fährüberfahrt eigentlich nie. Solange man in Küstennähe ist, gibt es einiges zu sehen. Andere Schiffe die aus dem Hafen ein und auslaufen. Die Küste aber auch das Wetter kann bisweilen für etwas Zeit vertrieb sorgen. Mein spannendstes Gewitter habe ich bisher an Bord eines Schiffes erlebt. Wir mussten zwar das Unwetter umfahren, konnten an Bord aber zusehen wie die Blitze zwischen den Wolken und dem Meer hin und her zucken. Ein Eindrückliches Schauspiel. Auch schön, da nicht mitten drin zu sein.
Wird es draussen Dunkel oder gibt es nichts mehr interessantes zu sehen bietet das Schiff in der Regel auch einiges an Unterhaltung. Pech hat man, wenn es nur einen Aufenthaltsraum mit einem Fernseher gibt sowie einer Kantine in der man sich sein Nachtessen kaufen kann. Auf grösseren Schiffen und mit längerer Überfahrt wird auch mehr geboten. Die Verbindung der ColorLine zwischen Kiel und Oslo wird so zu einer Minikreuzfahrt. Mehrere Restaurants, Bars und andere Freizeitaktivitäten sorgen für Unterhaltung und  Zeitvertreib.
Bezahlt wird in der Regel in der Währung des Heimatlandes des Schiffes. Dazu kommt dass die meisten Mitarbeiter meisten die jeweilige Heimatsprache sprechen aber auch die Sprache des zweiten Hafens.

Verlassen des Schiffes

Hat man den Zielhafen erreicht wird der Zugang zum Fahrzeugdeck in der Regel erst geöffnet wenn das Schiff angelegt hat. Hier geht es jetzt erst einmal darum das Motorrad zu kontrollieren. Sind durch die Überfahrt Schäden am Motorrad entstanden? Wenn ja müssen diese noch auf dem Schiff dem Personal gemeldet werden. Zudem sollte man davon sofort Fotos machen.
Auch wenn das Personal das Motorrad gesichert hat, man ist in der Regel schon vor dem Personal am Motorrad und bis der Mitarbeiter dann auch endlich kommt hat man selbst schon längst das Spannset abgebaut.
Leider oft ein Ärgernis sind Fahrzeuge die ihre Motoren starten noch bevor man überhaupt losfahren kann. Als Motorradfahrer steht man so ziemlich schnell in einer Abgaswolke.
Ist man vom Schiff herunter gefahren kann höchstens noch ein Zoll auf einen warten. Die Unterlagen sollte man dafür auch schon griffbereit halten.

Fazit

Es gibt einige Punkte zu beachten die einem das Verladen auf eine Fähre erleichtern. Gerade der Punkt mit der Sicherung des eigenen Motorrades bereitet dem einen oder anderen vielleicht Sorgen. Doch man ist in der Regel nicht alleine und das Personal sowie die anderen Motorradfahrer auf dem Schiff können einem bei Problemen weiterhelfen.
Den Umgang mit einem Spannset kann man auch leicht Zuhause einmal üben. Auch ich erwische immer wieder ein Spannset das offensichtlich Defekt ist und sich einfach nicht öffnen lässt. In der Regel liegt es aber meistens am Benutzer und nicht am Spannset.

 

 

Über

Begeisterter Reisender der mit dem Motorrad und Kamera die Welt erkundet. Auf meinem Blog berichte ich über meine Erlebnisse und möchte euch meine Art der Reise näher bringen.
Dazu gibt es Tipps und Tricks zu den Themen Motorrad und Reisen.

Fragen oder Anmerkungen sind in den Kommentaren gerne gesehen.

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